Schon lange träumt die Menschheit davon Maschinen zu erschaffen, die über eine künstliche Intelligenz verfügen und damit lernfähig sind. Der Turing-Test, erfunden von Alan Turing, einem Kryptoanalytiker und Informatiker, gilt als Maßstab für Ergebnisse. Dabei unterhalten sich Probanden per Tastatur und ohne Sichtkontakt mit einem Menschen und einem Rechner, ohne zu wissen, wer oder was gegenübersitzt. An der University of Reading wurde im Juni 2014 ein solcher Test gemacht und Eugene, eine russische Entwicklung, erreichte eine Überzeugungsrate von 33 Prozent. Der Superrechner simulierte einen 13-jährigen Teenager und wurde in einer Serie von fünfminütigen Unterhaltungen in mehr als 30 Prozent der Fälle für einen lebendigen Menschen gehalten. Das Ergebnis schlug hohe Wellen in den Medien und der Spiegel, Heise und andere berichteten fast euphorisch darüber, doch schon einige Tage später wurde Kritik laut.

Eugene ist ein Chatbot

Eugene ist kein Supercomputer wie etwa der Schachcomputer Deep Fritz, über den Die Zeit 2006 berichtete, sondern lediglich ein Chatbot, der auf jedem Laptop laufen würde. Bereits 2010 hat dieses Programm den Turing-Test während eines Technofestivals bestanden, doch damals mutmaßte der Entwickler, dass die Umgebung nicht optimal für einen neutralen Test war. An der University of Reading wurde nun den 30 Jurymitgliedern erklärt, dass sie sich jeweils fünf Minuten mit einem russischen Jungen unterhalten würden und auch diese Testbedingungen erachtet man inzwischen als ergebnisverfälschend. Da Englisch nicht seine Muttersprache war, sahen die Jurymitglieder über Grammatikfehler hinweg und auch die Zeitspanne der einzelnen Gespräche sieht man inzwischen als nicht ausreichend an. Veröffentlichte Gesprächsprotokolle aus anderen Tests mit Eugene ergeben, dass nach einigen Minuten deutlich wird, dass ein Programm die Hälfte der Unterhaltung bestreitet. Offenbar gibt es also doch noch keine künstliche Intelligenz, die das menschliche Gehirn dauerhaft überlisten kann und die Wissenschaft muss noch ein paar Hürden nehmen, bis die Menschheit sich ein künstliches Ebenbild erschaffen kann.

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