Digitale Geschäftsmodelle

On 09.09.2012, in Trending Topics, by TRENDINGS

Unter dem Motto „New Music, New Business?“ sind Vertreter aus der Musikbranche und der Politik am Freitag im Rahmen der Berlin Music Week in Berlin-Friedrichshain zusammengekommen, um über die Zukunft der Musikbranche in einer digitalisierten Welt zu sprechen. Die Politik wird die Probleme kaum lösen können. Die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) sagt: „Es ist nicht Aufgabe der Politik, Geschäftsmodelle zu entwickeln“. Es gibt zwar kein Geschäftsmodell, das alle zufriedenstellt, aber ein paar Möglichkeiten.

Die Digitalisierungswelle brachte neue Freiheiten. Musikmanager Tim Renner sagte: „Freiheit bedeutet Kontrollverlust“. Und eben dieser Kontrollverlust verursache Probleme. Im Jahr 2011 hat die deutsche Musikindustrie noch 83 Prozent des Umsatzes mit physischen Tonträgern gemacht. Damit bleibt Deutschland hinter anderen Ländern zurück.

Laut Renner droht dieses Schicksal jedem Unternehmen mit digitalisierbarem Produkt. Branchenübergreifend gebe es nur wenig Lerneffekte: „Wenn ich sehe, wie die Filmwirtschaft auf Kino.to reagiert, anstatt was Eigenes zu machen, das genauso aktuell ist, denke ich: Das haben wir doch vor 15 Jahren falsch gemacht, warum müsst ihr das jetzt wieder falsch machen?“ Einen Markt für kostenpflichtige Angebote, so Renner, gebe es durchaus.

Legale Angebote müssen mit illegalen konkurrieren können. Stefan Zilch, Manager des Streaming-Anbieters Spotify, sagt: „Es muss einfach und auch kostenlos sein“. Ein Problem stelle dabei aber u.a. die Verwertungsgesellschaft GEMA dar, deren Verfahren nicht mit den neuen Angeboten zusammenpassen: „Die GEMA will pro Stück vergüten, Streaminganbieter können das mit ihrem Geschäftsmodell nicht“.

Brigitte Zypries will dem nicht zustimmen, sieht aber ebenfalls Handlungsbedarf: „Unternehmen wie Springer und Apple verdienen im Digitalbereich viel Geld, es geht also“. Spotify reicht etwa 70 Prozent seiner Umsätze an die Industrie weiter, der Künstler sieht davon nicht viel. „Die wesentliche Frage für die Politik ist, wie können die Urheber auch daran verdienen […] Wir müssen jetzt möglich schnell neue Vermarktungsmöglichkeiten schaffen und dürfen uns nicht in Debatten verlieren“, sagt Zypries. Momentan fehlt es jedoch an der nötigen Geschwindigkeit.

 

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